MESSI MESSI MESSI

Buenas noches!

Nach 614 Kilometern und sagenhaften 48,70€ MAUT-Gebühren erreichten wir am 15.08.2016 Matarò. Hier befand sich unser neues Kurzzeitzuhause – „Camping Barcelona“. Der Campingplatz war ein Abenteuerparadies für Familien. Alle 20 Minuten fuhren Shuttlebusse zum fünf Minuten entfernten groben Sandstrand. Außerdem brachte ein Bus die Campingbewohner dreimal am Tag nach Barcelona und zweimal am Tag auch wieder zurück. Für drei Nächte zahlten wir hier 151€. Auf der Anlage gab es einen kleinen Einkaufsladen, in dem man das Nötigste kaufen konnte. Auch ein Restaurant und eine „Strandbar“ hatte der Campingplatz zu bieten. Wir interessierten uns allerdings überwiegend für die Shuttlebusse zum Strand und natürlich nach Barcelona – schließlich war das unser Hauptziel.

An Tag zwölf unserer Reise fuhren wir endlich in die von Gaudì geprägte Stadt. Barcelona hat unglaublich viel zu bieten. In ihren Dimensionen erinnert es mich an London – das reinste Shoppingparadies. ABER zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen…Wir schauten uns bei einem Stadtspaziergang zahlreiche bedeutende Bauwerke an. La Pedrera – zu Deutsch der Steinbruch – nahmen wir in unser engeres Kulturprogramm auf. Wir zahlten zusammen 41€, um uns mit einem Audioguide durch Gaudìs Werk führen zu lassen. Auch wenn ihr es vielleicht nicht erwartet: Es lohnt sich! Wir erfuhren viel über das Leben des Architekten sowie über die Bauweise seiner Werke und es war keineswegs langweilig.

Auf Punkt zwei unseres Kulturprogramms stand ein Besuch im Camp Nou – dem hiesigen Fußballstation – auf dem Programm. Der FC Barcelona trat (ganz zufällig…) gegen Sevilla im Supercup – Finale an. Fankult nahm in diesem Stadion völlig neue Dimensionen an. Von den 71803 Fußballfans kamen gefühlt 70000 allein für MESSI. Ich war völlig fasziniert. Arda schoss zwei von drei Toren und es gab einen weitestgehend angemessenen Applaus. MESSI war in der Nähe des Balls und sämtliche Zuschauer vor und hinter uns riefen/kreischten seinen Namen. Glücklicherweise schoss Messi auch noch ein Tor an diesem Abend – alles andere wäre für mich bei diesem Hype auch absolut enttäuschend gewesen. Barcelona gewann natürlich das Spiel und wir versuchten schnellstmöglich das Stadion zu verlassen, um Nachtbus Nummer eins zu erwischen – das Spiel war erst 1 Uhr nachts vorbei. Das gelang uns leider nicht, da es schwierig war, vom Stadion zum Placa de Catalunya zu kommen – das wollten nämlich so ziemlich alle, die ganz laut MESSI geschrien hatten. Nachtbus zwei brachte uns dann schließlich um 2:15 Uhr zum Campingplatz. Die Nacht war kurz, denn an der spanischen Mittelmeerküste wird es einfach nie kühl und spätestens um 9 wird es unerträglich im Bus – zumindest empfinde ich das so. Also weckte ich Tom, damit wir uns auf den Weg nach Frankreich machen konnten. Dazu mehr im nächsten Blog.

Adios!

Sagrada Familia
Sagrada Familia

Scheiß-schöne Stadt

¡Hola mis amigos,

an Tag acht unserer Reise fuhren wir weiter Richtung Spanien. Vorher machten wir jedoch noch einen Zwischenstopp an der Dune du Pilat. Die größte Wanderdüne Europas befindet sich etwa 125 Kilometer von Saint Seurin de Cadourne entfernt. Wir verzichten an dieser Stelle bewusst auf ein Foto, da man diesen Ausblick nicht mit einer Kamera einfangen kann. Sie reicht über 100 Meter in die Höhe – das heißt, ein steiler Fußmarsch ist unvermeidlich, wenn man die Sicht genießen will. Westlich von ihr liegt der Atlantische Ozean und östlich erblickt man weite Wälder. Ich hätte nie erwartet, dass eine Düne so faszinierend sein kann!

Anschließend fuhren wir weiter nach Donostia St. Sebastian. Auf der Strecke durften wir ordentlich blechen – 3,60€, 3,60€, 3,50€, 2,50€, 1,70€, 2,35€ – ihr könnt euch das gerne selbst ausrechnen, wir haben Urlaub. Zunächst war unser Aufenthalt absolut frustrierend. Während sich vor unseren Augen das Meer erstreckte und im Einklang mit den Bergen unbeschreiblich schön war, suchten wir ein neues Kurzzeitzuhause. Insgesamt fuhren wir acht Campingplätze an – überall stand in großen Lettern COMPLETO. Selbst das Wildcampen war nahezu unmöglich, da so ziemlich jeder Parkplatz belegt war. Auch auf französischen Campingplätzen riefen wir an, aber um 20 Uhr war dort niemand mehr zu erreichen. Letztlich blieb uns keine andere Wahl, als uns für eine Nacht ein Hotel zu nehmen. Wir ergatterten das letzte Zimmer im „Hotel Avenida“ für stolze 180€ – wie wir später in Erfahrung bringen konnten, kamen wir genau zur alljährlichen Festwoche in St. Sebastian an. Das erklärte natürlich einiges. Heute standen wir zeitig auf, um uns die scheißschöne Stadt anzusehen und wir konnten ihr nicht länger böse sein. Der Strand, mitten in der Stadt ist grandios. Wir liefen die Promenade entlang bis wir die Altstadt erreichten. Dort ertönte plötzlich spanischer Skapunk. Wir fanden eine kleine Traube – etwa 50 Leute – von fröhlichen, betrunkenen Menschen, die das Leben feierten. Die Stimmung war ansteckend, darum verweilten wir für ein paar Lieder und machten uns anschließend auf den Weg zu unserem Bus – denn dieses mal wollten wir in jedem Fall  einen Campingplatz ergattern. 13 Uhr fuhren wir den ersten Platz an – COMPLETO.  Beim zweiten Versuch wurden wir in Zarautz – ein paar Kilometer von St. Sebastian entfernt – fündig. Unser Stellplatz ist alles andere als groß, aber die Lage ist sehr schön. Unser Kurzzeitzuhause liegt auf einem Berg, den man mit Hilfe von unfassbar vielen Stufen hinunter muss, um an den Strand zu gelangen. Runter geht immer – hoch war schon hässlich. Die sanitären Anlagen sind gepflegt und sauber und als kleines Goodie hat man zahlreiche kiffende Surfer um sich herum. Aber irgendwie ist es trotzdem tausendmal besser als in einem Hotel zu schlafen.

¡Adiós!

Bordeaux

Bonsoir mes amis,

heute berichten wir euch ein letztes Mal von der französischen Atlantikküste. Gestern fuhren wir von Esnandes weiter Richtung Süden. Zunächst machten wir aber noch einen Abstecher auf die Île de Ré. Dafür nahmen wir die MAUT-Gebühr von 16€ gerne in Kauf. Die Insel verfügt über traumhafte Sandstrände – zumindest vermuten wir das, da wir uns, sobald wir die Insel erreicht hatten – einen Parkplatz suchten. Der Strand sah einfach zu verlockend aus. Also packten wir die Badesachen zusammen und erfrischten uns im Atlantik.

Anschließend fuhren wir weiter Richtung Bordeaux. Das Navi zeigte zu unserer Überraschung eine viel kürzere Strecke an, als Google es tat. Auf der Karte konnte ich die Brücke, über die wir fahren sollten nicht entdecken. „Naja, vermutlich ist die Karte schon etwas älter…“, dachte ich. Also ließen wir uns nicht beirren und fuhren die Strecke…BIS wir vor einer Fähre standen. So war das nicht geplant. Aber wir halten ja zum Glück nichts von Plänen. Die Kosten von 30,20€ waren zwar weniger erfreulich, aber der Blick über den Gironde ließ uns das verschmerzen.

Um den Campingplatz „Camping Lestage Médoc“ zu erreichen, fährt man an zahlreichen Châteaus und Weingärten vorbei. Jetzt sind wir wirklich in Frankreich angekommen. Unser neues Kurzzeitzuhause ist ein privates Anwesen – und mit Anwesen meine ich keinen Garten – das über sechs Stellplätze verfügt. Die Duschen und Toiletten befinden sich in einer großen Scheune und sind bisher das Beste, was wir an sanitären Anlagen zu Gesicht bekommen haben. Anneke und Han sind die Gastgeber des Hauses und sehr herzlich und aufgeschlossen. Beide sprechen Deutsch sowie diverse andere Sprachen. Für heute konnten wir ein Abendessen bei ihnen reservieren, welches aus Hauptspeise, Dessert und natürlich einem guten Rotwein aus Médoc – das ist die Region, in der wir campen – besteht. Wir sind gespannt.

Tagsüber besichtigten wir Bordeaux. Das Stadtbild lässt einen staunen. Die gotische und klassizistische Bauweise hat etwas Majestätisches. Besonders schön war die Promenade entlang des Garonnes. Dort findet man auch diesen Brunnen (Place de la Bourse), der irgendwie gar kein richtiger Brunnen ist, der aber von allen, die ihn passieren, bestaunt wird – zurecht, wie wir finden.

Place de la Bourse
Place de la Bourse
Monument aux Girondins
Monument aux Girondins

Nun müssen wir aber los. Wir wollen schließlich sämtliche deutsche Klischees erfüllen #pünktlichsein.

Unser Bäuche sind voll und unsere Stimmung grandios. Wir genossen einen hervorragenden Abend in Gesellschaft mit vier Franzosen und zwei Holländern. Insgesamt war es ein sehr lustiges Sprachkauderwelsch. Einer der Franzosen – Eric – sprach ein wenig Englisch. Die anderen drei konnten immerhin die Zahlen eins bis drei auf Deutsch nennen. Han und Anneke sprachen sowohl auf Deutsch mit uns, als auch auf Französisch mit den anderen Gästen. Gelegentlich redeten wir Englisch. Ich versuchte mich auch ganz selten auf Französisch zu verständigen. Tom nickte und lächelte. Das Essen war sehr lecker und umfangreich. Es wurde sowohl eine Vorspeise, ein Hauptgericht und zwei Nachspeisen gereicht – eine deftige und eine süße. Außerdem tranken wir reichlich Wein. Besonders lecker war ein Wein aus einem Château in Mérdoc zusammen mit Brombeersirup. Ich wusste nicht, dass man in Wein etwas rein schütten kann/soll/darf – aber man kann/sollte/muss! Zum Abschied wurden noch reichlich Küsschen verteilt. Wir finden den Campingplatz absolut klasse und geben ihm eine 1+.

Mes amis, wir lesen uns in Spanien!

prochain arrêt: La Rochelle

Salut mes amis,

224 Kilometer und 7,50€ MAUT- Gebühr liegen seit dem letzten Eintrag hinter uns. Gestern fuhren wir nämlich nach Esnandes. Der Ort liegt nur wenige Kilometer von La Rochelle entfernt – unserem nächsten Ziel in meinem Notizbüchlein. Bei der Campingplatzwahl vertrauten wir auf die Google-Bewertungen. Mit 4,1 von 5 möglichen Sternen sollte „Les Misottes“ der bisher beste Platz sein – FEHLANZEIGE. Als Mann lässt es sich hier sicher aushalten, da man die Toilette überwiegend aus weiter Ferne betrachten kann – ich bin jedoch weniger glücklich mit den sanitären Anlagen. Auch der Preis von 30,88€ für zwei Nächte inklusive Strom ändert nicht wirklich was an meiner Einstellung gegenüber des Campingplatzes. Einen Pluspunkt kann „Les Misottes“ immerhin durch die großen Stellplätze sammeln. Wer sich für dieses Kurzzeitzuhause entscheidet, sollte dringend seinen Französischwortschatz auffrischen, weil hier niemand etwas mit anglais anfangen kann.
Auch ich habe meinen Französischwortschatz aufgefrischt, da Tom gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – der Buslinie 35 – nach La Rochelle fahren wollte. Also orderte ich heute morgen bei der netten Busfahrerin mit meinem gebrochenen schulfranzösisch zwei Tickets nach La Rochelle: „Nous voulons aller à La Rochelle – place de verdun, s‘il vous plait.“ So oder so ähnlich. Für die Fahrt zahlten wir gerade einmal 1,30€ pro Person, trotz 35 – minütiger Fahrt. Das war sicher günstiger als ein Parkticket für den ganzen Tag.
La Rochelle ist absolut traumhaft. Der Hafen lädt zum Flanieren ein und bietet einen weiten Blick auf den Atlantischen Ozean. Der Stadtmarkt berauscht die Sinne: Ein reges Treiben dringt an die Ohren, der Duft von reifem Obst liegt in der Luft und überall wo man hinsieht, gibt es etwas zu entdecken – frisch gefangener Fisch oder Muscheln, feinstes Gebäck und würziger Käse, wilde Blumensträuße und Kunsthandwerk.

Blumenstand auf dem Markt in La Rochelle
Blumenstand auf dem Markt in La Rochelle

Wir wissen leider nicht, ob es diesen Markt täglich gibt, aber allein dafür lohnt es sich nach La Rochelle zu fahren. Eine weitere Besonderheit der Stadt sind les tours de La Rochelle. Die Türme dienten einst der Hafenbefestigung. Alle drei tours können für 8,50€ besichtigt werden. Für sechs Euro kann man sich auch nur einen Turm anschauen. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Ein Turm ist ausreichend. Wir besichtigten den Turm Saint-Nicolas. Die Terrasse in 37 Metern Höhe ermöglichte uns einen Blick auf den alten Hafen und Fort Boyard.

Die drei Türme
Die drei Türme

Für alle Sparfüchse gilt, vor dem 26. Lebensjahr nach La Rochelle zu fahren. Dann ist der Eintritt für die Türme kostenlos. Selbes gilt im Übrigen auch für Lehrer.
Am Hafen haben wir uns ein schönes Café gesucht, um eine Kleinigkeit zu essen. Die herzliche Kellnerin aus dem La Cav‘A‘So‘ brachte uns eine gemischte Platte mit köstlichem fromage et jambon, dazu reichte sie uns knuspriges Baguette und einen regionalen Rotwein. Endlich ein kulinarisches Erfolgserlebnis!

jambon et fromage
jambon et fromage

In dem Café sahen wir mehrere Gäste mit Gläsern, welche etwa einen Daumen breit mit einer grünen Flüssigkeit gefüllt waren. Diese füllten sie dann mit einer Wasserflasche auf. Egal was es war, ich wollte es auch! Also steuerten wir ein weiteres Café an. Die Kellnerin in dem Café sprach leider nur sehr gebrochen englisch, was unseren Wunsch nach dem ominösen Getränk als etwas schwierig erwies – mir war die Vokabel für grün entfallen. Irgendwann verstand sie jedoch und wollte uns einen „Montello“ bringen. Nachdem wir das Getränk gekostet hatten, wurde uns klar, dass „Montello“ tatsächlich „menthe de l‘eau“ heißt und es sich dabei um gewöhnlichen Minzsirup mit Wasser handelt. Die Einwohner La Rochelles trinken das Zeug, wie die Augsburger Spezi – mein Fall ist es nicht.
Bevor wir die Rückfahrt antraten, fuhren wir noch mit dem Riesenrad, damit wir diese wunderschöne Stadt ein letztes Mal in vollen Zügen genießen konnten. Morgen geht es weiter nach Bordeaux. Bis dahin,

au revoir mes amis!

Straßenkünstler
Straßenkünstler

Bretagne – Mesquer

Bienvenue en Bretagne mes amis,

in der Hoffnung auf einen schönen Badestrand fuhren wir am Sonntag (7.8.2016) weiter gen Süden. Nach 330 Kilometern erreichten wir unser Zuhause für die nächsten zwei Nächte – und das ganz ohne MAUT-Gebühren. Der Campingplatz «Le Beaupré» befindet sich in dem beschaulichen Ort Mesquer. Das Meer liegt zikra fünf Minuten Fußweg von unserem Kurzzeitzuhause entfernt. Nach 15 Minuten können wir einen traumhaften Badestrand erreichen. Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem letzten Campingplatz, der doch eher einen Familiencampingplatz/ Campingplatz für feierwütige Jugendliche war, suchten wir wieder nach etwas Kleinerem. Der Platz verfügt über 38 Emplacements, was sehr charmant ist. Um uns herum stehen nur Franzosen, abgesehen von dem Pärchen direkt auf dem Stellplatz neben uns – das sind natürlich Deutsche. Insgesamt ist der Campingplatz wirklich sehr empfehlenwert, wenn auch mit 51€ für zwei Nächte nicht ganz preiswert. Die Anlage ist gepflegt und sauber. Außerdem gibt es einen Frühstücksdienst. Am Abend kommt eine Madame vorbei und fragt nach Brotwünschen für den nächsten Morgen. Wir bestellten uns für heute in der Früh ein Baguette und zwei Croissants. Dafür zahlten wir drei Euro und erhielten ein so großes Baguette, dass sogar für Strandverpflegung gesorgt worden wäre…Selbstverständlich vergaßen wir die fertiggeschmierten Brote im Bus. Das war allerdings nicht weiter schlimm, denn bereits anderthalb Stunden später zog der Himmel zu und der Atlantik zeigte sich von seiner wilden Seite – soviel also zu unserem Strandtag. Trotzdem blieb es den ganzen Tag trocken und bei rund 20 Grad auch zu verschmerzen. Als wir unseren Rückweg vom Strand antraten, beobachteten wir zahlreiche Menschen, die im Watt nach etwas suchten. Tom fing natürlich wieder an, auf Wattwürmer zu spekulieren – «Angler» werden wohl nie müde, alles mit ihrem Hobby in Verbindung zu bringen. Wie wir später feststellten (natürlich auch mit Hilfe von Google), handelte es sich bei den Suchenden um Austernsammler. Huitres – und andere Muscheln – dürfen in der Bretagne nämlich einfach gesammelt und anschließend verspeist werden. Mehrere Campingbewohner kamen am späten Nachmittag mit Eimern voller Austern wieder. Jedoch haben wir keine probiert. Zu groß ist noch der Ekel über die Andouille-Wurst in uns.

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Links Watt – rechts Wasser (Boote unlogisch platziert)

Campingerkenntnisse:
– günstige Vorzelte aus dem ALDI nicht an der Atlantikküste aufbauen, das sie so sehr klappern und rascheln könnten, dass man sie nachts um eins wohlmöglich abbauen muss
– wenn die Autotür von innen abgesperrt und die Alarmanlage aktiviert wurde, nicht versuchen die Kofferraumklappe zu öffnen – schon gar nicht morgens um halb acht, da andere Camper unsanft aus dem Schlaf gerissen werden könnten
– ein Bezug ohne Decke ist selbst in Südeuropa keine Lösung – das hat Tom jetzt auch verstanden
– ein großes Handtuch für drei Wochen reicht nicht, es sei denn, man genießt das natürliche Strandsandpeeling

 

Normandie

Bon soir mes amis,

am gestrigen Freitag (5.8.2016) starteten wir endlich mit unserer lang ersehnten Südeuropa-Tour. Gefährt, Wohn- und Schlafmobil ist natürlich unser Bus, den wir mit Danis Erfahrung und handwerklichem Geschick in eine Wohlfühloase verwandelten. Unser erstes geplantes Ziel war Metz. Da wir Urlaub haben, machen wir uns nichts aus Plänen und fuhren stattdessen nach Val de Vesle. Der beschauliche Ort befindet sich in der Nähe von Reims und ist etwa 630 km von Augsburg entfernt. Die französische Autobahnstrecke (A4) war ein Augenschmaus. An den Straßenrändern erstreckten sich zahlreiche Installationen in Form von riesigen bunten Kugeln, Platten oder Dreiecken. Da hat sich der Eintrittspreis beinahe gelohnt, wenn man bedenkt, dass man bei keinem der Kunstwerke lange Wartezeiten in Kauf nehmen musste. Die Autobahn war nämlich nahezu gespenstisch leer. Der Eintritt in das etwas andere „Museum“ hat uns 15,30€ gekostet. In Frankreich kommt man ohne MAUT-Gebühr nämlich nur über Bundesstraßen und einige wenige staatliche Autobahnen an sein Ziel. Um 18:30 Uhr erreichten wir den ersten Campingplatz auf unserer Reise – „Camping de Val de Vesle“. Dort ließ man uns trotz complet-Schild gewähren. Die kleine Wiese, die direkt an einem Maisfeld grenzte, bot 50 Stellplätze. In der Mitte stand das Waschhäuschen, welches, egal von welchen Stellplatz aus in unter zwei Minuten zu erreichen war. Das Häuschen verfügte über sechs Duschen und WC‘s – je drei für Madames et Monsieurs. Außerdem gab es Waschbecken, um Geschirr zu spülen. Um 21 Uhr wurden bei den meisten Campern die Vorhänge zugezogen und es war still. Für 11,99 € ohne elektricité absolut empfehlenswert – einziges Manko: Der nächste Norma ist 14 km entfernt. Unser Abendbrot musste also aus dem bestehen, was wir in unserem Kühlschrank finden konnten: Tomaten, Gemüsebällchen und Monte-Snack. Am nächsten Morgen kam jedoch la boulangerie und sämtliche Campingplatz-Bewohner deckten sich mit Croissants und Baguettes vom Bäckerwagen ein.

Da wir möglichst schnell ans Meer wollten, planten wir für heute zunächst einen Ausflug nach Rouen ein und anschließend wollten wir weiterfahren an die Atlantikküste. Dazu suchten wir uns einen Campingplatz direkt am Meer raus. Einen Pluspunkt bekam „Le Champ de course“ für die Möglichkeit des Onlinebuchens. Somit war uns ein Stellplatz für den Abend gesichert. Von Val de Vesle bis nach Rouen fuhren wir 290 km. Natürlich zahlten wir auch hier wieder reichlich MAUT-Gebühren. Auf der Strecke wurden wir zweimal zur Kasse gebeten – insgesamt zahlten wir 18,40€. Der Vorteil zeigte sich erneut in den leeren Straßen. Stau schien auf den privaten Autobahnen ein Fremdwort zu sein. In Rouen suchten wir schnellstmöglich ein Restaurant auf. „Le-vieux-carre“ befand sich in einem kleinen gemütlichen Innenhof. Wir bestellten etwas Regionales, was uns von der Kellnerin als „special sausages“ angepriesen wurde. Zwar schaute sie recht überrascht, als wir uns dafür entschieden, jedoch dachten wir uns zunächst nichts dabei. – Als unsere Tarte mit einer großen Scheibe Andouille-Wurst gebracht wurde, verging mir ganz schnell der Appetit.

Andouille
Andouille

Tom gab sich größte Mühe, dieses Etwas zu relativieren, aber die knorpelähnlichen Stückchen in der Wurst sprangen mich förmlich an. Im Urlaub muss man auch mal was wagen und zum Glück wusste ich noch nicht, aus was genau diese Spezialität aus der Normandie bestand – also Augen zu und durch. Nach einem Bissen von der Wurst war ich fertig mit dem Mittag und auch der zuversichtliche Tom wollte irgendwie nicht mehr aufessen. Ich entschied mich, ab sofort nur noch vegetarische Spezialitäten zu probieren. Nach einem kurzen Blick ins Internet erfuhren wir, dass es sich bei der Wurst um in Streifen geschnittene Magen- sowie Darmteile vom Schwein handelte – Mhhhhhhhhhh köstlich! Anschließend schlenderten wir durch die Stadt, in der einst Jeanne d‘Arc verbrannt wurde. Besonders schön war die gotische Kathedrale, die etwas eigenwillig ist, aufgrund der unterschiedlich erbauten Türme.

Nachdem wir weiter in Richtung Westen fuhren, erreichten wir nach 144 km und 8,90€ MAUT-Gebühr unseren jetzigen Campingplatz. Für das Vergnügen, direkt am Meer zu übernachten, zahlten wir 22,90€. Mit den sanitären Anlagen bin ich bisher weniger zufrieden. Es gibt leider keine Geschlechtertrennung, außerdem geht ab 22 Uhr das Licht in den Duschen aus. Der Platz verfügt dieses mal jedoch über einen Stromanschluss und jeder Stellplatz hat einen eigenen Wasseranschluss und der wohl größte Pluspunkt ist die Meeresluft.

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Ebbe und Seeluft

Bon nuit mes amis!